Karschtl's Reviews > Das Affenhaus

Das Affenhaus by Sara Gruen
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Apr 02, 11

bookshelves: drama, read-in-2011, vorablesen
Read from March 05 to 25, 2011

Jede Mutter will ihre Kinder vor Gefahren schützen, und für die Sprachwissenschaftlerin Isabel sind sechs Bonobos ihre 'Kinder', die nach einem Bombenattentat auf das Institut, in dem sie unter Isabels Leitung lebten und lernten, plötzlich verschwunden sind.
Natürlich macht sich Isabel auf die Suche nach ihren Lieblingen, von selbst kommt sie den Affen allerdings nicht auf die Spur. Wohl aber ihrem Verlobten, der anscheinend doch nicht so toll ist wie sie dachte und einigen Dreck am Stecken hat.

Nach einiger Zeit finden die Affen den Weg in Isabel's Heim zurück - und gleichzeitig in das zu Hause von zig-tausenden anderen Menschen. Sie werden nämlich in ein "Affenhaus" gesteckt, in dem sie rund um die Uhr von Kameras beobachtet werden und möglichst einschaltquotenträchtige Dinge tun sollen, vorzugsweise sexuelle Kontakte knüpfen.
Isabel setzt fortan alles daran, ihre Affen aus diesem Käfig zu befreien, wobei ihr Journalist John Thigpen sehr gern behilflich ist.

Neben Isabel ist John die zweite Hauptfigur des Romans. Ihn lernen wir nicht nur in seiner Rolle als Verfasser eines Artikels über die Bonobos kennen, sondern auch in seiner Rolle als Ehemann. Diese zweite Seite gibt der Figur sehr viel Tiefe, wir lernen John und auch seine Frau Amanda detailliert kennen. Allerdings hat dies kaum einen Einfluss auf die Geschichte mit den Affen und ist eher als Side-Story zu betrachten, die auf die Haupt-Story kaum einen Einfluss nimmt. Bis auf die Tatsache, dass John zwischenzeitlich seinen Arbeitgeber wechseln muss, was ihm aber die Möglichkeit gibt, wieder an seiner Affenstory arbeiten zu können.

Nach der Leseprobe habe ich ein informatives, interessantes, emotionales, und natürlich auch spannendes Buch erwartet. Es war all das, und doch irgendwie anders als ich es erwartet hatte.

Informativ war für mich der gesamte Teil über die Bonobos. Vorher hatte ich diese Primatenart überhaupt nicht gekannt, bei einem Zoobesuch letzte Woche ist mir dann aber gleich ein großes Poster im dortigen "Affenhaus" aufgefallen.
Obwohl es sich hier um eine fiktionale Geschichte handelt, wirken die Erzählungen über die (Sprach-)talente der Bonobos sehr authentisch. Ebenfalls die gegenseitige Liebe zwischen den Affen und ihrer Betreuerin/Trainerin Isabel ist glaubhaft geschildert und weckte auch in mir sofort einen Beschützerinstinkt.

Interessant und gleichzeitig sehr schrecklich fand ich die Schilderungen über die Haltung von Affen in biomedizinischen Laboren. In dieser Hinsicht glaube ich, dass dieses Buch die Aufmerksamkeit auf diese Mißstände bei seinen Lesern erhöhen kann. Die Frage bleibt nur, wie viel man als Leser daran ändern kann.

Spannend war das Buch selbstverständlich auch, wobei sich der Spannungsgrad doch in Grenzen hielt. Relativ schnell war klar, was mit den Affen geplant war. Spannung bot ab hier dann nur noch die Frage, wie Isabel ihre Lieblinge aus dem Affenhaus befreien kann, und was ihr Verlobter in seiner Vergangenheit noch so alles getrieben hat.

Wo mir der 'Stil' der Geschichte etwas andersartig vorkam, war in den Beschreibungen vom Motel, in dem John unterkam, und deren Bewohnern bzw. Nachbarn der näheren Umgebung. Anscheinend wohnte auch John zeitweise in einem Affenhaus. Zumindest wirkte dieser ganze Teil auf mich etwas skurril. Auch die Episode mit einem potentiellen Sohn, von dem er bisher nie wusste, hat eher irritiert. Sollte der Figur aber wohl als Katalysator dienen, den Kinderwunsch seiner Frau ebenso freudig zu sehen.

Das Ende des Affenhauses ging dann ziemlich rasch, mir dann irgendwie doch viel zu rasch und ohne dramatische Höhepunkte. In einer Hollywood-Verfilmung denke ich hätte es da noch so einige Stolpersteine mehr gegeben, um den Spannungsbogen schön aufzubauen und dann auch entladen zu können. Hier ging es eher eins fix drei und die Sache war vorbei.

Alles in allem muss ich leider sagen, dass "Das Affenhaus" nicht an "Wasser für Elefanten" ranreicht für mich. Für sich und ohne Vergleich gesehen ist es aber ein durchaus lesenswertes Buch, das aufgrund des locker-flüssigen Schreibstils einen angenehmen Lesegenuss bietet.
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