Lettersalad's Reviews > Die Tribute von Panem: Flammender Zorn

Die Tribute von Panem by Suzanne Collins
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3958342
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Feb 09, 11

bookshelves: best-of-2011
Read from February 08 to 09, 2011

Die Hungerspiele sind vorbei oder doch nicht? Katniss konnte aus der Arena gerettet werden und erholt sich nur langsam im zerstört geglaubten Distrikt 13 von ihren Verletzungen. Sie fühlt sich verraten. Vom Kapitol ohnehin, doch auch von ihrem Team, von Haymitch, ihrem Mentor und den anderen Tributen, die die 75. Hungerspiele überlebt haben. Denn sie alle wussten von dem Plan, die Hungerspiele zu beenden und somit die Rebellion in Gang zu setzen. Alle wussten es, nur sie und Peeta nicht. Ihr Freund Peeta, der vom Kapitol gefangen genommen wurde und als tot gilt. Katniss fällt in ein tiefes Loch, doch wird schnell mit aller Macht wieder herausgeholt. Sie ist der Spotttölpel, der Anführer der Rebellion! Katniss weigert sich zunächst, doch dann erhält sie ein Lebenszeichen von Peeta, was ihren altbekannten Kampfgeist wieder aufflammen lässt. Unbeirrt hat Katniss nur noch ein Ziel: das Kapitol zu stürzen und Präsident Snow zu töten. Dabei verliert sie jedoch den Blick für das Wesentliche und merkt viel zu spät, in welche markante Position bzw. Situation man sie drücken möchte, sowohl von Seiten des Kapitols als auch durch die eigenen Leute der Rebellion. Katniss weiß nicht mehr, wem sie glauben kann, doch eines ist sicher, jeder ihrer Schritte zieht bedrohliche Konsequenzen für viele andere Menschen mit sich und für einen von ihnen ganz besonders: Peeta.
Wen die Brutalität, die Kühnheit der Charaktere und das rasante, durchweg spannungsgeladene Tempo der beiden ersten Teile am meisten beeindruckt haben, der wird mit diesem Band sicherlich seine Probleme haben.
Ganz Panem befindet sich in Aufruhr, Katniss ist die Anführerin der Rebellion, die gegen das Kapitol kämpft, die wiederum Peeta und einige andere Tribute gefangen halten und auf unbeschreibliche Weise quälen, misshandeln und töten.
Katniss ist nicht mehr das junge Mädchen aus der Arena. Sie ist kaltblütiger geworden und sturer denn je. Doch man erlebt wie diese Eigenschaften an ihr systematisch gebrochen werden, wie ganze Menschen systematisch „gebrochen“ und zerstört werden. Dieser letzte Teil besticht durch einen sehr hohen psychologischen Anteil, was für den Tiefgang und den Abschluss natürlich dienlich ist, damit jedoch der Story auch ein wenig ihren ursprünglichen Charakter raubt.
Dieser Teil besticht nicht mehr nur durch Brutalitäten und Todesängste, sondern er geht viel tiefer unter die Haut und drückt an gleich mehreren Stellen mächtig auf die Tränendrüse.
Für mich war diese Entwicklung aber nur verständlich und durchweg nachvollziehbar. Kein Mensch ist mehr selbe, nachdem er gleich zweimal sprichwörtlich den Wölfen zum Fraß vorgeworfen wurde und nun langsam realisiert, was alles geschehen ist.
Wie auch Katniss muss man lernen, das was war loszulassen, um das was einem noch bleibt mit aller Macht zu retten.
War Gale mir persönlich in den ersten beiden Bänden noch recht sympathisch, so wendet sich dieser Eindruck in „Flammender Zorn“ um 180 Grad. Dabei spielt nicht sein Kampfsinn oder seine leicht arrogante Verbissenheit eine Rolle, sondern lediglich die Tatsache, wie sehr er versucht Katniss für sich einzunehmen und ihr regelrecht seinen Willen aufzuzwingen. Mit einer äußerst dummen Äußerung fast am Höhepunkt der Geschichte hat er bei mir dann jegliche Sympathiepunkte verspielt. Zudem drängen ihn sehr schöne, (neu)gestaltete Charaktere wie z.B. Finnik völlig ins Abseits.
Katniss hingegen büßt von ihrer Sympathie überhaupt nichts ein, im Gegenteil. Sie wirkt so entschlossen, mutig und eben auch verletzlich. Sie weiß weder wem sie trauen kann noch wen sie wirklich liebt, doch an ihrer Entscheidung, für die Menschen zu kämpfen, die ihr nahe stehen ändert das überhaupt nichts. Es tut fast weh zu sehen, wie sie sich selber aufgeben will, weil sie glaubt nicht stark genug dafür zu sein.
Die Autorin ist sich treu geblieben und jagt den Leser unheimlich schnell von einem Geschehen ins Nächste und nie ist man sich wirklich sicher, wie viel Bedeutung man eben einer bestimmten Situation schenken sollte.

Warum vielen Lesern das Ende zu kühl oder tonlos war, kann ich nicht im Geringsten nachvollziehen, denn Tod, Angst, Macht und Verlust haben lange genug das zentrale Thema in Die Tribute von Panem gespielt. Auch Spannung war über insgesamt knapp 1300 Seiten mehr als genug vorhanden. Ich würde es keinesfalls als Happy End bezeichnen, denn das hätte ich Suzanne Collins auch wirklich sehr übel genommen. Doch es ist ein Ende bei dem (fast) alle das bekommen, nachdem sie sich immer gesehnt haben und ich finde, das sollte man den Charakteren nach diesen drei Büchern auch gönnen.
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