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Warren Evans ist ein Mann, dem die Frauen vertrauen. Die Models vor seiner Linse jedenfalls offenbaren dem New Yorker Starfotografen ihre intimsten Geheimnisse. "Früher dachte ich, die meisten Modefotografen seien in diese vaginalen Wahrheiten eingeweiht", heißt es in Dirk Wittenborns neuem Roman
Catwalk, "dass die Mädchen, Frauen, Fotzen, Weiber und Schlampen, die für mich posierten, sich meinen männlichen Berufskollegen gegenüber genauso offen verhielten. Aber die Fotografie, das Licht, die Schminke, die Intimität der Studios, die albernen kleinen Dramen, die wir auf endlos vielen pastelligen Papierabzügen inszenierten -- all das hatte nichts mit dem zu tun, was ich erlebte."
Um es klar zu sagen: Trotz seiner erfrischend drastischen Ausdrucksweise ist Evans kein Prahler. Er ist nur eine vom Autor geschaffene Kunstfigur, die die Seele der Glamour-Oberfläche anschaulich machen soll. Vor allem geht es dabei um die Seele von Zoë, der Schönheit aus der Provinz, die der Ich-Erzähler mit seinen Foto-Inszenierungen zum Star von Titelblättern der berühmtesten Modemagazine macht. Und die dann doch, von alter Liebe aus der Großstadt getrieben, wieder aus dem Rampenlicht der Journale verschwindet. Dass auch noch Ermittler des FBI in die Geschichte hineinspielen, gibt Catwalk und Evans' tief greifenden Erlebnissen eine zusätzliche Kriminote.
So platt der Plot, so gut geschrieben ist das Buch. Denn Wittenborn gelingt es tatsächlich, seinem Roman vom Auf- und Abstieg einer Vorstadt-Cinderella Leben -- und Seele -- einzuhauchen. Dass die Geschichte Drive hat, liegt wohl daran, dass Wittenborn als Drehbuchautor für Hollywood sein Geld verdient. Sein Roman Unter Wilden soll bald verfilmt werden. Catwalk hätte es ebenfalls verdient. --Isa Gerck
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